Herzlich willkommen in Istanbul
11. Februar 2026
Liebe Lena
heute bis Du in Istanbul angekommen. Alles ist neu, riesig voll, laut, hektisch und vor allem aufregend. Ein halbes Jahr wirst Du in der Stadt bleiben, die zu meiner Stadt wurde und zu einer Art zweiten Heimat für mich. Vor genau 30 Jahren bin ich dort angekommen, mit einem Koffer voller Erinnerungen an meine Münchner Heimat, vor allem an meine WG und meine Studienfreunde, die ich schweren Herzens verlassen habe. Und voller Hoffnungen. Wie Du auch, hatte ich ein Stipendium in der Tasche, in meinem Fall ein DAAD- Promotionsstipendium für die renommierte Bogazici Universität, die ich zwar nicht regelmäßig besuchen musste, deren Bibliothek ich aber nutzen und auch andere Vorteile genießen durfte.
März 1996
Heute bin ich in Istanbul angekommen. Die letzten drei Wochen hatte ich mit einer Freundin den Iran und einen Studienfreund von uns besucht, der dort für ein Jahr studierte. Ich war mit den beiden kreuz und quer durchs Land gereist und schließe nun meine Reise hier in Istanbul ab, wo mir ein einjähriges Stipendium die Forschung für meine Doktorarbeit ermöglich soll. Zielsicher durchquere ich den Atatürk Flughafen. den kenn ich zum Glück gut von zwei Sprachkursaufenthalten und einem Praktikum am Goethe-Institut in Istanbul. Dicke, stickige, benzingeschwängerte Luft schlägt mir vor dem Flughafengebäude entgegen, wo aufgereiht eine lange Reihe gelber Taxis auf Kundschaft wartet. Nachdem ich mehrere aufdringliche Gepäckträger und Hotelvermittler erfolgreich abgewehrt habe, gelingt es mir, ein Taxi zu ergattern, das auch bereit ist, den Taxameter einzuschalten. Das hat eher Seltenheitswert am Istanbuler Flughafen, obwohl es wohl schon seit einigen Monaten Pflicht ist, den Taxameter einzuschalten, wie mir ein türkischer Freund in Deutschland erzählt hat. Endlich sitze ich im Taxi und kann mich zurücklehnen. Die erste Hürde ist genommen. das Taxi fährt in einer unglaublichen Geschwindigkeit mit brüllend lauter türkischer Pop-Musik die Küstenstraße am Marmarameer entlang. Das Marmarameer, das ist immer mein erster Eindruck der Stadt, dann rund um die Saraj-Halbinsel und schon kann man den Galataturm sehen. Dort muss ich hin. Auf die andere Seite des Goldenen Horns, nach Cihangir, wo meine Sprachkurs-Freundin Johanna wohnt. Auch sie wird ein Jahr in Istanbul bleiben. Ich kann die erste Nacht bei ihr bleiben bis ich eine Wohnung gefunden habe. Nachdem wir das Goldene Horn über die Atatürkbrücke überquert haben, jagen wir den Tarlabaşi Bulvarı hinauf und kommen nun endlich nach Cihangir, ein Viertel , das ich gut kenne, da ich während meiner Sprachkursaufenthalte dort gewohnt habe. Kurz vor der Firuzağa Moschee biegen wir rechts ab und haben endlich unser Ziel erreicht. Johanna wohnt im 4. Stock und nach einer herzlichen Begrüßung, heißt es endlich schlafen. Der Tag war lang und aufregend…

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